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Cartagena Kolumbien

von | Apr 29, 2018 | Kolumbien, Südamerika

Cartagena in Kolumbien hat die schönste koloniale Altstadt Südamerikas. Und ist der Ort, an dem Nobelpreisträger Gabriel García Márquez mit dem Schreiben begann. Auf einer Tour de Gabo, so der Spitzname des Schriftstellers, verfällt man dem Charme Cartagenas und der Fantasie des Gabriel García Márquez.

Um seinen Arbeitsplatz in der Altstadt von Cartagena in Kolumbien ist Jaime Abello zu beneiden. Sein Büro befindet sich in einem kolonialen Patrizierhaus, senfgelb, mit kunstvoll gedrechselten Holzbalkonen, von denen sich üppiges Grün herunter rankt. Im Patio blühen Azaleen und Bougainvillea in allen möglichen Rot-Tönen.

Ein repräsentativer Sitz für die „Fundación Nuevo Periodismo“, derer Geschäftsführer Jaime Abello ist. Und ein historischer: In diesen Räumlichkeiten arbeitete Ende der 1940er Jahre die Redaktion der Tageszeitung “El Universal”. Unter den Autoren damals: ein junger Jurastudent, der eigentlich Schriftsteller werden wollte und gerade erst in die Stadt gekommen war.

Gabriel García Márquez und Cartagena in Kolumbien

Diesem damals jungen Mann begegnet man in Cartagena auf Schritt und Tritt. Ein Bild von ihm hängt hinter Jaime Abellos Schreibtich: lockiges, schwarzes Haar, Schnäuzer, Warze an der linken Wange und eine Zigarette im Mundwinkel. Sein Name: Gabriel García Márquez, Nobelpreisträger und der bekannteste Schriftsteller spanischer Sprache.

Geboren wurde Gabriel García Márquez in Aracataca, einer Kleinstadt in der Bananenregion Kolumbiens, seinen Lebensmittelpunkt hatte er in Mexico City. Dennoch war Cartagena eine wichtige Stadt für ihn. Hier lebt bis heute der Großteil seiner Familie, hier hat er angefangen zu schreiben. Und hier spielen zwei seiner großen Romane: Von der Liebe und anderen Dämonen.” Und vor allem: „Die Liebe in Zeiten der Cholera”.

Geboren wurde Gabriel García Márquez in Aracataca, einer Kleinstadt in der Bananenregion Kolumbiens, seinen Lebensmittelpunkt hatte er in Mexico City. Dennoch war Cartagena eine wichtige Stadt für ihn. Hier lebt bis heute der Großteil seiner Familie, hier hat er angefangen zu schreiben. Und hier spielen zwei seiner großen Romane: Von der Liebe und anderen Dämonen.” Und vor allem: „Die Liebe in Zeiten der Cholera”.

 

Schauplatz Cartagena in Kolumbien: „Die Liebe in Zeiten der Cholera“

Der Roman handelt von der Liebe zwischen Florentino Ariza und Fermina Daza. In der Jugend waren sie verlobt, doch dann hat sie sich unter dem Druck ihres Vaters für einen anderen entschieden, für Juvenal Urbino, einen wohlhabenden Arzt, der die Cholera in Cartagena besiegt hatte. Erst im hohen Alter, nach dem Tod Urbinos, finden die Liebenden zueinander.

Die Geschichte wird in Rückblenden erzählt, ist sprachgewaltig, eingebettet in eine historische Realität – das Leben in Cartagena um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Und schweift immer wieder ins Fantastische. Sie ist, ein Markenzeichen des Gabriel García Márquez, präzise in eigentlich unwichtigen Details, wie der Anzahl der Liebschaften, mit denen sich Florentino Ariza über Ferminas Verlust hinwegtröstet: Es sind exakt 672 in 53 Jahre, sieben Monaten und elf Nächte.

Und sie schöpft – auch dies ist typisch für Gabriel García Márquez – aus der eigenen Familiengeschichte: Auch der Vater des Autoren musste Widerstände überwinden, bevor er die Hand der Mutter gewann. Um sie von ihrem Verehrer zu trennen, hatten ihre Eltern sie auf eine Reise geschickt. Doch der Vater, von Beruf Telegrafist, fand einen Weg, Kontakt zu ihr zu halten, denselben wie Florentino Ariza in “Die Liebe in Zeiten der Cholera.”: über die Telegrafisten entlang der Reise-Route.

 

Cartagena Kolumbien El Bistro

Die Schreiberlinge von Cartagena in Kolumbien

Die Plaza de la Paz ist atemberaubend schön. Ein farbenprächtiges Kolonialhaus schmiegt sich ans nächste: ein rapsgelbes an ein altrosafarbenes, dieses wiederum an ein burgunderrotes. Die Balkone sind mal flaschengrün, mal kobaltblau, mal schokoladenbraun. In den Laubengängen vor den Häusern fliegende Händler: Sie verkaufen Strohhüte und Guayaberas, weiße oder pastellfarbene Leinenhemden, wie sie der karibische Mann gerne trägt. Und kolumbianische Nationaltrikots, vor allem mit der Nummer 10, von James.

Zu Zeiten von Gabriel García Márquez war dies das Revier der escribanos, der Schreiberlinge. Sie leisteten Schriftunkundigen Hilfe bei Behördeneingaben und beim Verfassen von Liebesbriefen. Wie Florentino Ariza in “Die Liebe in Zeiten der Cholera”. Auch hier hat sich Gabriel García Márquez vom eigenen Vater inspirieren lassen: Eligio García hatte seinen Lebensunterhalt in jungen Jahren als escribano verdient.

 

 

Cartagena la heróica

Damals war Cartagena eine Stadt im Niedergang. Von der Pracht der Kolonialzeit, als hier die Reichtümer des Kontinents verschifft wurden, das Gold und das Silber aus den Minen in Kolumbien und Peru, war wenig geblieben. Auch nicht vom Ruhm der Stadt, die im Jahr 1740 einer aus 186 Kriegsschiffen und 18.000 Soldaten bestehenden britischen Streitmacht getrotzt hatte und sich seitdem mit den Beinamem „la heróica“ schmückte – die Heldenhafte.

Die herrschaftlichen Häuser waren verfallen, die gesamte Altstadt ein Rotlichtbezirk. „Der Handel und das ganze Geschäftsleben zogen nach Barranquilla,“, erzählt Jaime Abello. „Durch die wirtschaftliche Stagnation hat es in Cartagena lange keinerlei Stadtentwicklung gegeben. Deshalb sind die alten Stadtmauern und die alten Häuser intakt geblieben.“ Nach 1960 wurden sie mit öffentlichen und privaten Investitionen restauriert, seit 1984 ist die Altstadt Weltkulturerbe.

 

 

 

Cartagena Kolumbien Tour de Gabo

Auf Tour de Gabo durch Cartagena

Das Cartagena, das Gabriel García Márquez vorfand, war heruntergekommen und gefährlich und gerade deshalb inspirierend. So erfährt man es auf einer Tour de Gabo, wie der Schriftsteller hier genannt wird, auf einem Rundgang auf seinen Spuren und denen seiner Romanfiguren. Mit einem Audio Guide, den man sich für kleines Geld aufs Handy laden kann. Mit Erklärungen und hörspielartig inszenierten Szenen aus seinen Büchern – ein literariascher Genuss

Die Tour umfasst 35 Stationen. Angefangen mit dem Haus der Familie, das sich im Schlagschatten der Stadtmauer duckt – es ist hummerrot und modernistisch und wirkt im kolonialen Stadtbild wie ein Fremdkörper. Ein paar Ecken weiter der Palast des Marqués de Casalduero. Das herrschaftliche Haus ist papayafarben, mit bis auf den Boden reichenden Fenstern aus Eichenholz und einem mächtigen Holzportal mit schmiedeeisernem Türklopfer in Form einen Löwenkopfes. Der Graf ist eine Figur aus dem Roman “Von der Liebe und anderen Dämonen” – aus den Angaben im Buch lässt sich rekonstruieren, in welchem Haus Gabriel García Márquez ihn angesiedelt hat. „Das ist das Schöne an seinem Werk“, sagt Jaime Abello. „Er hat seine Figuren in einer realen Welt verortet, diese Welt ins Surreale übersteigert und so eine neue Wirklichkeit geschaffen“. Nirgends lässt sich diese neue Wirklichkeit besser erleben als in Cartagena.

 

 

 

 

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