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Geheimtipp: Kolonialstadt Mompox

von | Mrz 20, 2019 | Kolumbien, Südamerika

Die schönste Kolonialstadt Südamerikas? Ist in meinen Augen Mompox. Weil die kleine Stadt beides bietet: aufwändig restaurierte Herrenhäuser und den Verfall vergangener Größe. Und weil sie abseits der Touristenströme liegt: in den Sümpfen des Rio Magdalena. Ein Geheimtipp. Noch.

Einer Fata Morgana gleich tauchen am Horizont drei Kirchtürme auf. Der erste zinnoberrot mit weißen Zierlinien, der zweite weiß mit gelben Ornamenten und rostrotem Ziegeldach. Der dritte ist ockerfarben und rund. Dann die Uferpromenade. Ein Kolonialhaus reiht sich ans nächste: weiß getüncht mit schweren Holztüren und roten Schindeldächern. Die meisten einfach, dazwischen aber regelrechte Paläste mit ausladenden Veranden. Und vor allem: Kein moderner Betonbau stört das koloniale Ambiente.

Reiche Vergangenheit und 100 Jahre Einsamkeit

Mompox ist eine Legende. Die Stadt lag einst am Río Magdalena, Kolumbiens Lebensader, und war in der Kolonialzeit ein bedeutender Handelsposten: gegründet im Jahr 1537, um den Wasserweg von den Anden zum Atlantik zu sichern. Hier wurden das Gold aus den Anden verschifft und Güter aus Europa eingeführt. Zu Kolonialzeiten war Mompox eine reiche Stadt. Ende des 19. Jahrhunderts jedoch verzweigte sich der Fluss, ausgelöst wahrscheinlich durch ein Erdbeben in den Anden, und die Stadt fand sich plötzlich am Brazo de Mompox wieder. Dieser Nebenarm ist nicht schiffbar. Mompox geriet in Vergessenheit – für beinahe 100 Jahre.

 

Gehimtipp Mompox: Kolonialbau
Geheimtipp Mompox: Brazo de Mompox
Geheimtipp Mompox: Händler am Hafen
Geheimtipp Mompox: koloniale Pracht

Reiche Vergangenheit und 100 Jahre Einsamkeit

Mompox ist eine Legende. Die Stadt lag einst am Río Magdalena, Kolumbiens Lebensader, und war in der Kolonialzeit ein bedeutender Handelsposten: gegründet im Jahr 1537, um den Wasserweg von den Anden zum Atlantik zu sichern. Hier wurden das Gold aus den Anden verschifft und Güter aus Europa eingeführt. Zu Kolonialzeiten war Mompox eine reiche Stadt. Ende des 19. Jahrhunderts jedoch verzweigte sich der Fluss, ausgelöst wahrscheinlich durch ein Erdbeben in den Anden, und die Stadt fand sich plötzlich am Brazo de Mompox wieder. Dieser Nebenarm ist nicht schiffbar. Mompox geriet in Vergessenheit – für beinahe 100 Jahre.

 

An der Hafentreppe dösen Händler auf Klappstühlen – befallen von der „Zwei-Uhr-Mittags-Mattigkeit“, wie Gabriel García Márquez es in „Chronik eines angekündigten Todes“ ausdrückt. Für das namenlose Dorf, in dem der Roman spielt, hat sich der Nobelpreisträger an Mompox orientiert. Die Verfilmung, unter anderem mit Ornella Muti, spielt hier. Der Film brachte Mompox im Jahr 1986 wieder auf die Weltkarte, neun Jahre später wurde das historische Zentrum zum Weltkulturerbe der UNESCO erklärt. Seit dem Friedensvertrag zwischen dem kolumbianischen Staat und der Rebellenarmee FARC, die lange weite Teile des Landes kontrolliert hatte, erlebt Mompox eine neue Blüte.

 

Gehimtipp Mompox: Gedenktafel
Geheimtipp Mompox: Statue Simón Bolívar
Geheimtipp Mompox: Ahnengalerie
Geheimtipp Mompox: Korbflechter

Mompox heute 

Die Häuser auf der calzada, der Uferpromenade, sind restauriert, die meisten jedenfalls. Halb geöffnete Fenster geben den Blick frei auf herrschaftliche Salons mit antiken Leuchtern und Polstermöbeln, auf blumengeschmückte Innenhöfe, in denen Springbrunnen plätschern. Viele Häuser wurden zu Boutique-Hotels umgebaut – für Städter von der Karibikküste, aus Cartagena, Barranquilla und Santa Marta, ist Mompox ein beliebtes Wochenendziel, nur sechs Autostunden entfernt.

Das Highlight ist die Plaza de la Concepción. Hier stirbt Santiago Nasar im Film den angekündigten Tod – einen Tod, den niemand will, den zu verhindern sich aber auch niemand aufraffen kann. Ein paar Andenkenläden säumen den asphaltierten Platz. Und ein paar Restaurants. Sie sind geschlossen, die meisten öffnen erst abends, manche nur am Wochenende. Dann pulsiert hier das Leben – bis tief in die Nacht. Unter der Woche aber sind die Einheimischen unter sich. Man trifft sich auf einen Plausch und genießt die lauen Nächte im Hinterland der Karibik. Wie in dem 100 Jahren, die Mompox vergessen war.

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