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Höhenkrankheit – was tun?

von | Apr 20, 2018 | Argentinien, Bolivien, Ecuador, Peru, Südamerika

Die Symptome kennt jeder, der schon einmal in den Anden war: in leichteren Fällen Kurzatmigkeit, Kopfschmerzen, Erschöpfung, in schlimmeren Übelkeit und Sehstörungen. Gegen die Höhenkrankheit kann man etwas tun, vorbeugend und akut.

Was ist die Höhenkrankheit?

Landläufig heißt es, in der Höhe enthalte die Luft weniger Sauerstoff. Das stimmt aber nicht, der Anteil von Stick- und Sauerstoff in der Luft bleibt immer gleich, Aber mit jedem Höhenmeter sinkt der Luftdruck. Die Luft wird schwerer. Pro Atemzug gelangt weniger Luft und damit auch weniger Sauerstoff in die Lunge. Die Folge ist, dass man schneller atmen müsste, um den Bedarf an Sauerstoff zu decken. Das ist aber nicht möglich, weil der Körper die Atemregulation nur umstellt, wenn sich der Stickstoffgehalt erhöht. Dieser bleibt bei abnehmendem Luftdruck aber gleich.

Wer ist von der Höhenkrankheit betroffen?

Im Grund alle. Über einzelne Symptome klagt jeder, der in den Anden unterwegs ist. Meist legen sie sich nach ein bis zwei Tagen. Körperlich fitte und gesunde Menschen sind weniger betroffen, wer Herzprobleme hat mehr. In den allermeisten Fällen lassen sich die Symptome lindern, indem man Anstrengungen reduziert. Bei stärkeren Symptomen hilft es, ein paar Minuten reinen Sauerstoff einzuatmen. Sauerstoffflaschen stehen in den meisten Hotels, Bussen und auf Touren zur Verfügung. Tragbare Sauerstoffflaschen sind im Handel erhältlich.

Wie kann man gegen die Höhenkrankheit vorbeugen?

Erste Regel: Nicht direkt in die Höhe reisen, sondern langsam aufsteigen, damit sich der Köper an den sinkend Luftdruck gewöhnen kann. La Paz zum Beispiel, Boliviens Regierungssitz liegt auf 3.600 Meten, der Flughafen El Alto sogar auf knapp 4.100 Metern. Wer aus Europa anreist, spürt die Höhe sofort. Auch in Cusco in Peru (3.400 Meter). Weil man dort aber meist Richtung Machu Picchu (2.400 Meter) weiterreist, sind die Symptome der Höhenkrankheit dort weniger ausgeprägt.

Höhenkrankheit: Lamas in Peru

Sich Ruhe gönnen und auf die Ernährung achten

Den ersten Tag sollte man als Ruhetag einplanen und körperliche Aktivitäten meiden. Selbst kurze Spaziergänge strengen an, wenige Treppenstufen machen einem zu schaffen. Touren und Trekks verbieten sich ohnehin, solange man nicht an die Höhe angepasst ist. An den ersten Tagen sollte man viel Wasser trinken und Kaffee und vor allem Alkohol meiden. Beim Essen auf leichte Nahrung achten: viel Obst und Gemüse, einen Müsli-Riegel oder Nüsse als Snack zwischendurch.

Sich gegen die Sonne schützen

Mit jedem Höhenmeter kommt man der Sonne näher. Und damit steigt die Sonneneinstrahlung. Unbedingt Sonnencreme auftragen, am besten mit Schutzfaktor 50. Oder gleich langärmelige Oberbekleidung und lange Hosen tragen. Auf den Kopf gehört eine Mütze oder besser noch ein breitkrempiger Hut, um einen Sonnenstich zu vermeiden. In Kombination mit der Höhenkrankheit ist ein Sonnenstich sehr unangenehm,

Coca-Blätter gegen die Höhenkrankheit?

Bei Coca denkst man außerhalb der Andenländer sofort an Kokain. Dabei ist die Droge ein chemische Produkt – es wird in einem aufwändigen Prozesse aus den Blättern des Coca-Strauchs hergestellt. Die Blätter selbst werden von den Bewohner der Anden seit Jahrhunderten genutzt: Sie werden gekaut oder zu einem Tee aufgebrüht und sind bei Zeremonien Teil von Opfergaben. In Bolivien, Ecuador und Peru ist der Besitz von Coca-Blättern legal – nicht jedoch in den Nachbarländern. Weil Coca-Blätter viele Spurenelemente, und Vitamine enthalten, lindern sie die Symptome der Höhenkrankheit. Die meisten Café und Restaurants bieten Coca-Tee an, viele Hotels auch – in der Lobby und gratis.

Höhenkrankheit: Coca-Blätter

Akute Hilfe gegen die Höhenkrankheit

Trotz aller Vorbeugung: Manchen erwischt die Höhenkrankheit doch. Wenn das der Fall ist, alle Aktivitäten sofort unterbrechen. Im Stehen ein paar Mal kräftig ein- und ausatmen und dabei den Körper leicht nach vorn beugen. Hilft das nicht, ein paar Minuten reinen Sauerstoff einatmen (in Hotel, Bussen und auf Toren meist verfügbar). Sollte immer noch keine Besserung eintreten, muss man in den sauren Apfel beißen und absteigen. Aber das ist extrem selten. Auf unseren Touren und Trekks ist es noch nie vorgekommen – trotz Mitreisender mit hohem Blutdruck und in einem Fall mit drei Bypässen.

Vor der Reise: Arzt konsultieren

Das ist immer eine gute Idee, umso mehr, je älter man ist. Und erst recht bei Vorerkrankungen. Der Arzt kann das Risiko abschätzen und geeignete Medikamente verschreiben, zur Vorbeugung oder für den Notfall. Oft helfen aber auch Mittel, die es in jeder Apotheke rezeptfrei zu kaufen gibt, Der Arzt kann sie empfehlen – wir dürfen das aus rechtlichen Gründen nicht.

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