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Rio de Janeiro – Eine Strandkunde

von | Mrz 15, 2018 | Brasilien

Strand von Ipanema tagsüber

Über die Praia de Ipanema in Rio de Janeiro spannt sich ein makellos blauer Himmel. Wellen rollen heran, gerade hoch genug zum Surfen, aber nicht zu riesig zum Schwimmen. Klappstuhl steht an Klappstuhl, Handtuch liegt an Handtuch. Das lieben Cariocas, die Bewohner von Rio de Janeiro: diese Nähe und Enge.

Rio de Janeiro, die cidade maravilhosa mag locker und unkompliziert sein, das Strandleben in Rio aber folgt festen Regeln, die zwar nirgends formuliert sind, diese Mühe würde sich ein Carioca nie machen, die aber trotzdem von den meisten befolgt werden.

Brasiliens Strände – Sehen und gesehen werden

Es fängt damit an, dass kaum jemand liegt. Für den Carioca geht es am Strand darum, zu sehen und gesehen zu werden. Flipflops, Badehose, Sonnenbrille, vielleicht noch einen Hut – mehr nimmt niemand mit an den Strand. Geldscheine werden um die Kordel der Badehose geknetet und ins Oberteil des Bikini gestopft. Wer am Strand liest, statt dem anderen Geschlecht nachzuschauen, hat sich schon als Tourist geoutet.

Vor allem aber geht man dort zum Strand, wo man seinesgleichen trifft. Am Posto 9, am Turm Nummer 9 der Rettungsschwimmer, haben sich Ende der 50er, Anfang der 60er Jahre die Bossa-Nova-Musiker versammelt, später, nach dem Militärputsch von 1964, die Dissidenten, die Unangepassten und Querdenker. Bis heute lässt sich hier sehen, wer sich als modern und progressiv begreift.

Strandkunde Rio de Janeiro: Ipanema abends

Strand-Tipps für Rio de Janeiro

Am Posto 8, weht die die Regenbogenfahne – hier genießen vorwiegend Schwule und Lesben die Sonne Ipanemas, am Posto 7, kurz vor dem Felsen von Arpoador, wird gesurft. Dahinter beginnt Copacabana. Posto 6 ist lange der Treffpunkt für Sextouristen gewesen. Dort stand das Help, eine übel beleumundete Diskothek, die auch in der Affäre um die Incentive-Reisen von Betriebsräten des VW-Konzern im Jahr 2005 eine Rolle gespielt hat. Seit das Help im Jahr 2009 geschlossen wurde, ist die Szene zum sehr überschaubaren Rotlichtbezirk um den Posto 2 abgewandert. Dazwischen, von Posto 5 bis 3, ist das Revier der Freizeitsportler, mit Fuß- und Volleyballfeldern, komplett mit fest installieren Toren und Netzen.

Unser Tipp für Rio de Janeiro: Am Posto 4 in Copacabana ist der Strand breit und auch am Wochenende nicht überfüllt. In Ipanema ziehen wir Posto 9 vor, wegen der tollen Wellen für Bodysurfer. Außerdem lässt sich das Spiel der Geschlechter nirgends so gut beobachten wie hier.

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