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Weltkulturerbe Panamahut

von | Apr 9, 2018 | Ecuador

Weltkulturerbe Panamahut: Weberin bei der Arbeit

Ecuador feiert: Vor fünf Jahren hat die UNESCO eine Kopfbedeckung in die Liste des immateriellen Weltkulturerbes aufgenommen, die allgemein als Panamahut bekannt ist. Ecuador? Richtig.

Der Panamahut stammt ursprünglich aus dem Städtchen Montecristi in der Provinz Manabí. Dort wird er seit 200 Jahren gewoben, aus der paja toquilla, einem Stroh, das nur im ecuadorianischen Küstengebirge wächst. Weswegen der Hut in Ecuador selbst korrekt, aber auch wenig prosaisch sombrero de paja toquilla heißt.

 

Eine Name und seine Geschichte

Die Bezeichnung Panamahut stammt aus einer Zeit, in der die Handelswege komplizierter waren als heute. Ende des 19.Jahrhunderts wickelte Ecuador seinen Güteraustausch mit der westlichen Welt über Panamas Atlantikhafen Colón ab. Teils aus Kostengründen: Der Seeweg ums Kap Horn war zu lang und teuer.

Teils aus politischen: Panama gehörte damals zwar noch zu Großkolumbien, unterlag aber längst dem Einfluss der USA. Und die schrieben vor, dass Produkte aus Südamerika, an derer Herstellung keine US-Firmen beteiligt waren, nur über Panama eingeführt werden durften. So wurde Panama in den Augen der Welt vom Transit- zum Herkunftsland des sombrero de paja toquilla. Erst recht, als US-Präsident Theodore Roosevelt bei der Besichtigung des in Bau befindlichen Panamakanals einen solchen Hut trug – die Bilder gingen zum die Welt.

Von finos und superfinos

Auch heute noch wird der sombrero de paja toquilla in der Gegend um Montecristi gewoben. Von Webern in entlegenen Bergdörfern, die diese Kunst von einer Generation zu nächsten weitergeben. Es sind vor allem finos und superfinos, die hier hergestellt werden, aus besonders dünnen Strohfäden und extra dicht gehobene Hüte. Das hat seinen Preis. Ein fino kostet mindestens 100, ein superfino ab 300 Euro. Für maßgefertigte Hüte in Premium-Qualität wird man sogar an die 2.000 Euro los – sie halten aber auch ein  Menschenleben.

Das Gros der Hüte wird heute in Cuenca hergestellt. Das passt: Auch Cuenca ist Weltkulturerbe, dank seiner zauberhaften kolonialen Altstadt. Gewoben wird auch hier von Spezialisten auf dem Land – meist in Heimarbeit.  Die weitere Herstellung aber, das Bleichen und mehrmalige Aufbügeln, erfolgt industriell. In kleinen Fabriken wie jener der Familie Ortega.

Ein Familienbetrieb in Cuenca

Die Ortegas bieten auch Touren an, bei denen der komplette Herstellungsprozess erklärt wird: vom Schlagen und Aufarbeiten des Strohs bis zum Annähen des Hutbandes. Nebenbei gibt es Tipps: Weil die Fäden brechen könnten, wird der sombrero de paja toquilla beim Auf- und Absetzen nur an der Krempe berührt. Hochklassige Hüte kann man für den Transport übrigens zusammenrollen. Entrollt man sie wieder, springen sie in ihre ursrpüngliche Form zurück.

Der Ausgang erfolgt natürlich durch den firmeneigenen Laden. Es lohnt sich darin zu stöberm, denn die Auswahl ist ernom: vom einfachen „Panamahut“ über den fino bis zum superfino. Und die Preise ab Werk sind günstiger als im Einzelhandel oder per Import.

 

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Weberin bei der Arbeit
Die Hüte werden in Form gepresst…
… und gebleicht

Wo der Panamahut wirklich herkommt

von Tom Noga | Reportage für den WDR (Teil 2), ausgezeichnet mit dem Columbus-Autorenpreis 2013

Wo der Panamhut wirklich herkommt

von Tom Noga | Reportage für den WDR (Teil 1), ausgezeichnet mit dem Columbus-Autorenpreis 2013

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